Sonntag, 29. Mai 2016

Rezension "Xerubian- Aath Lan´Tis" von Andreas Hagemann


In der letzten Zeit habe ich das Glück, wieder einmal wirklich gute Bücher in die Hände zu bekommen und danke meinem Karma auch von ganzem Herzen dafür. Heute geht es wieder um so eines, das ich euch auf keinen Fall vorenthalten will!
Geschrieben hat es Andreas Hagemann und es trägt den Titel "Xerubian - Aath Lan´Tis"

Gott spielt im Prolog Billard und das leider nicht immer so, wie er es sollte. Durch einen unglücklichen Stoß kollidieren Welten miteinander, die sich eigentlich nicht berühren sollten. Was genau hier in diesem unachtsamen Moment schiefgelaufen ist, bleibt sowohl Gott, als auch dem Leser vorerst verborgen.

Ein mysteriöser Schatten stiehlt zu Beginn des Buches einen Stein aus der Kathedrale in der Stadt Punkt, auf dem Planeten Xerubian. Damit befasst sich der Polizeiinspektor Dalon, der aufgrund seiner Vornamenkonstellation meist nur mit dem Nachnamen angesprochen wird. Dalon hat die Motivation für sein Leben und den Bezug zu seiner nervigen Frau, so kurz vor dem Ruhestand ziemlich verloren. Jedoch hat er eine sympathische Art an sich, sein eigener Antiheld zu sein. Dalon hat einen ebenso sympathischen, albernen, faulen und dialektsprechenden Dienstdrachen namens Nerol, der ihn von Ab nach B befördert.

In Dalons Ermittlungen gerät schnell auch der junge Martandi Robus, ein Bote des Nachrichtendienstes, der mit dem verdächtigten Schatten in Berührung kam. Nach und nach rankt sich um besagten Schatten eine abenteuerliche Sage, deren Erforschung sich Dalon, Nerol, Martandi und dessen Drache Dragon nicht entgehen lassen wollen. Zu ihnen gesellt sich nach kurzer Zeit noch ein weiterer Geschädigter des Schattens - Muliks, ein Drache mit Miniaturmaßen. Die Fünf machen sich auf die Reise, um das sagenumwobene Aath Lan´tis zu suchen, aus dem der Schatten angeblich gekommen sei. Auf ihrer Reise geraten sie in Gefangenschaft und werden mit einer völlig unerwarteten Wende ihres Standpunktes konfrontiert ...


Ein wahnsinnig gutes Buch, das ich am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Wer den Humor und den Ideenreichtum von Terry Pratchett mag, ist hier schon mal nicht verkehrt. Ich selbst musste immer wieder an den Film „Spaceballs“ denken und habe mehr als einmal laut gelacht. Mit einer wortreichen und beinahe boshaften, ironischen Kreativität, verleiht Andreas Hagemann seiner Welt rund um Xerubian Leben. Wenn der Bösewicht Lu-Ser heißt und die Internationale Ermittlungseinrichtung Xerpol, kann man gar nicht anders, als dieses Buch für seinen Wortwitz und die Ernsthaftigkeit dahinter zu lieben.

Dieses Buch ist eine herrliche Persiflage auf unsere eigene Welt, eine äußerst gelungene Geschichte über Religion, Klischees und nicht arm an philosophischen Gedankengängen. Vor allem hat dieses Buch zwei wundervolle Eigenschaften: Es ist durchweg mit einem bissigen und niveauvollen Humor und jeder Menge Spannung gesegnet.

Ich freue mich sehr auf den zweiten Teil, den ich aus zeitlichen Gründen leider erst im Juni lesen kann.

Es folgt noch eine meiner Lieblingsstellen:

„… und wird beherrscht von einem unansehnlichen schwarz schimmernden Ich-bin-nur-da-um-dem-Rest-einen-Sinn-zu-geben-Schnauzbart.“

Großartig, Herr Kollege Hagemann – weiter so!


Andreas Hagemann, Xerubian - Aath Lan´Tis, erschienen bei Books on Demand, ISBN 3738616683
Bild: https://www.amazon.de/Xerubian-Aath-LanTis-Andreas-Hagemann/dp/3738616683/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1488048682&sr=1-1&keywords=andreas+hagemann


Donnerstag, 26. Mai 2016

Rezension "Der Müllmann" von Helmut Wolkenwand

Eigentlich rezensiere ich ungern Bücher von guten Freunden, Kollegen und Arbeitgebern (...) Es wird einem schnell vorgeworfen, dass man durch die Verbindung zum Autor anders urteilt. Weil mir dieses Buch aber sehr viel Freude gemacht hat und von meinen eigenen (vielen Dank dafür!) Büchern inspiriert geschrieben wurde, möchte ich meine Rezension hier auch zur Verfügung stellen. Ich habe sie bereits vor ein paar Jahren geschrieben, da waren wir noch keine Kollegen, bzw. in keinem Dienstverhältnis.

Gerade heute hatte ich das Buch wieder in der Hand und dachte mir, ich könnte es euch weiterempfehlen. Wer auf schwarze, satirische Kriminalromane mit Schauplätzen in Offenbach und Frankfurt steht, wird hier sicherlich Freude dran haben. 

Es folgt nun für euch, meine Rezension auf Amazon, aus dem Jahr 2011.

Viel Spaß dabei,

eure Prosa



Der Müllmann ist meiner Meinung nach ein Kriminalroman, der sich sowohl durch den Ort des Geschehens, als auch durch die Einblicke in den Alltag des Protagonisten emotional sehr nah am Leser befindet. Des Öfteren erscheinen zwar Kriminalromane aus dem Frankfurter Raum, wobei mir hierbei oft der persönliche Bezug fehlt. Frankfurt an sich ist eine große und anonyme Stadt, mit zwielichtigen Vierteln und Gestalten. Der Müllmann spielt zu einem großen Teil in Offenbach, ebenfalls eine Stadt mit großem sozialem Brennpunkt, jedoch nicht ganz so anonym und leider oft in seiner doch recht offenherzigen und hessischen Mentalität unterschätzt. 

Auch die Erzählweise und das Umfeld des Protagonisten Heinrich, sind alles andere als steril und abgedroschen. Heinrich vermittelt den Anschein, dass er sich in einem Zwiespalt aus Professionalität im kriminellen Milieu und dem Meistern der Situationen in einem komplizierten familiären Gefüge befindet. Diese Mischung aus sehr informativen und detailreichen Schilderungen über die Verstrickungen im Milieu, die von einer sehr guten Kenntnis über Politik und Kreativität im Überblicken und Erfinden einer Verschwörung zeugen, gepaart mit einer emotional sehr fesselnden Nebengeschichte, wie sie nur ein Familienvater hätte schreiben können, hält die Spannung durch das ganze Buch mit lokalem Witz und Charme aufrecht. Alles in Allem ein sehr gutes Buch. 



Helmut Wolkenwand "Der Müllmann", Piper Verlag ISBN 3492264484

Bild: https://www.amazon.de/M%C3%BCllmann-Kriminalroman-Helmut-Wolkenwand/dp/3492264484/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1488048722&sr=1-1&keywords=helmut+wolkenwand


Helmut Wolkenwand "Der Müllmann", Fahrenheitbooks, Kindle Edition ASIN B00H4BLPJI

Bild: https://www.amazon.de/M-llmann-Kriminalroman-Helmut-Wolkenwand-ebook/dp/B00H4BLPJI/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1488048722&sr=1-1

Montag, 23. Mai 2016

Endlich schwanger - Auf ein Buchgespräch mit der Autorin Ann Brondhem


Vor kurzem habe ich ihr großartiges Buch 
"Endlich schwanger" gelesen und die äußerst sympathische Ann Brondhem um ein Interview gebeten. 

Gleich zu Beginn bin ich erstaunt, denn Ann Brondhem bleibt für mich und alle anderen Leser ein Mysterium. Sicher ist ihr Name ein Pseudonym, die Privatsphäre ist ihr wichtig. Eine Selbstinszenierung, eine fiktive Biografie liegt ihr aber ebenso fern. Umso länger ich darüber nachdenke, desto sympathischer wirkt ihre Begründung auf mich. 

Ann sagt, eine fiktive Person, eine "literarische Figur", parallel zu sich selbst zu erfinden ist Aufwand, der ihr mittlerweile widerstrebt. Ihre Leser sollen sich am besten eine eigene Vorstellung von ihr machen. Im Kopf ist alles möglich und wer sie als

"Die hochbegabte Tochter einer persischen Prinzessin und eines schwedischen Seemanns, mit einer Affinität zu Äffchen und Pferd und dem Hang zum Rebellischen" 

sehen mag, soll das gerne tun. Mich interessiert neben der Autorin selbst aber natürlich die Geschichte hinter dem Roman, weshalb ich ihr ein paar Fragen dazu stelle.


Wie ist dein Roman entstanden?

Ann: Ursprünglich war die Geschichte als Teil einer Sammlung von "Kurzgeschichten" geplant, die alle um das Thema Liebe, Freundschaft, Sex kreisen und durch ihre Protagonist_innen lose miteinander verknüpft sein sollten. Dass schließlich ein Roman daraus wurde, war ein Zugeständnis an den Buchmarkt. Verlage wollen offenbar keine Kurzgeschichten-Sammlungen (das hat sich auch nach dem Literaturnobelpreis für Alice Munro nicht geändert), und das gilt offenbar insbesondere für Erstlingswerke. 


Ich habe ungefähr anderthalb Jahre an dem Roman gearbeitet, zwischen der ersten Idee und der Veröffentlichung lagen insgesamt drei Jahre. Ich habe das Manuskript mehrfach überarbeitet, im letzten Durchgang zusammen mit einer Freundin. Das Ziel war, den Text lesefreundlicher zu machen, und das ist auch gelungen. Verglichen mit der ersten Fassung gibt es nun viel mehr Szenen und (lustige) Dialoge; "der ganze Sex" wurde komplett gestrichen; Nebenfiguren haben eine größere Bedeutung und Autonomie erhalten; und auch die Protagonistin selbst erscheint in einem sympathischeren Licht und weniger monomanisch. 

Das Manuskript habe ich mehreren Literaturagenturen und Verlagen angeboten, leider ohne Erfolg. Letztlich habe ich "Endlich schwanger" dann im Dezember 2015 auf der Selfpublishing-Platform http://neobooks.com veröffentlicht (leider nur als eBook, aber das ist beim Selbstverlag natürlich auch eine Kostenfrage).
  
 

Wie viel von dir selbst steckt in deinen Geschichten?
 

Ann: Konkret sehr wenig. "endlich schwanger" ist keine "wahre Geschichte". Es ist ein Roman und keine Biographie – auch nicht meine. 
Andererseits steckt natürlich ganz viel von mir darin. Literarische Figuren sind ja vermutlich immer auch Teil der Innenwelt der Autoren. Irgendwo muss es schließlich herkommen. 

Ausgangspunkt einer Geschichte sind bei mir immer "Situationen", "Probleme" oder "Konflikte". Sie bilden sozusagen die Grundkonstellation, aus der sich dann alles weitere ergibt. Aus dieser Grundkonstellation entwickle ich das Handlungsgerüst, den Plot. Wie die Geschichte dann letztlich im fertigen Text dargestellt wird (Erzählreihenfolge, Vorgriffe, Rückblenden, Erzählstränge etc.), entscheide ich während des Schreibens und der Überarbeitung. 

Bei "Endlich schwanger" war die Grundkonstellation zweiteilig: einerseits die damals viel diskutierte "Verweigerung der Männer Mitte 30", den Kinderwunsch ihrer Partnerinnen zu erfüllen. So etwas ist natürlich psychosozialer Sprengstoff par excellence und daher wunderbar geeignet, um eine Handlung in Gang zu setzen. Andererseits gehörte zur Grundkonstellation das nachträgliche Infragestellen von Ausmaß und Qualität des eigenen Liebesempfindens für die Partnerin, was insbesondere Männer offenbar nicht selten tun. 

Ich lasse meine Geschichten immer zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort spielen. Und ich mache mir recht konkrete Vorstellungen davon, wie die jeweilige Situation beschaffen ist. Ich muss mir beim Schreiben also über viele Dinge im Klaren sein: Wie sieht diese Person, dieses Gesicht, dieses Zimmer aus? Wie war das Wetter an Pfingsten 2015 in Hamburg? Wie spät ist es gerade? Wie lange dauert die Zugfahrt von Leipzig nach Hamburg? Oder gibt es auch eine Flugverbindung? Viele solcher kleinen Details, die für mich beim Schreiben wichtig sind – selbst wenn am Ende nichts davon im Manuskript landet.

  
Woher nimmst du deine Inspiration?
  

Ann: Ganz viel wächst aus der Grundkonstellation heraus. Ansonsten ist natürlich der Alltag, die wirkliche Welt, die uns umgibt, eine Fundgrube für alle möglichen tollen oder absurden Szenen und Dialoge. Wichtig ist es, genau zu beobachten und zuzuhören. Vor allem das Zuhören ist wichtig, schließlich geht es beim Schreiben um Sprache und Sprechen. 

Ich versuche bei jedem Text, meiner Protagonist_in ihre eigene Stimme/Sprache zu geben. Bei "Endlich schwanger" besteht der ganze Text aus gesprochener Sprache, so wie eine Frau wie Lena sie vermutlich verwenden würde, wenn sie ihre Geschichte erzählt:

Umgangssprachlich; unpräzise, aber auf den Punkt; kurzweilig, langatmig, charmant und fast immer unzuverlässig. 

Dieser "Lena-Sprech" ist im Grunde unliterarisch: falsches Deutsch, schlechter Stil, verfehlte Dramaturgie, missglückte Metaphern, schwankend zwischen Redundanz und hochgestochenem Vokabular.
   


Wie bist du zum Schreiben gekommen? 

Ann: Naja, irgendwie ist das Schreiben zu mir gekommen :D 

Ach, keine Ahnung! Ich wollte schon immer schreiben. Doch abgesehen von ein paar Teenager-Gedichten hatte ich bisher noch nie etwas Belletristisches geschrieben. Ich habe zwar in den letzten Jahren immer mal wieder Ideen entwickelt: für Romane, für einen Krimi oder für ein Musical, ich habe jedoch nie etwas davon verwirklicht. 

Ende 2012 hatte ich dann die Idee, eine Sammlung von fünf, sechs, sieben Erzählungen zu schreiben, über Liebe und Sex, Freundschaft und Beziehung, Männer und Frauen. Ursprünglich war das gedacht als eine Parodie auf Shades of Grey, das damals gerade erschienen war, oder eher als ein Kommentar dazu – aber durchaus mit der Motivation, auch einen literarischen Welterfolg landen zu wollen. 

Die ersten beiden Geschichten entstanden dann als Geburtstagsgeschenk für eine Freundin. Und eine dieser Geschichten, "endlich schwanger", habe ich zum Roman ausgebaut.
    


Wie arbeitest du? Und wo?
 

Ann: Sehr langsam und wahrscheinlich sehr umständlich, leider. Ich habe kein "System", ich würde meine Arbeitsmethode eher als "kontrolliertes Chaos" bezeichnen.
 

In der Kreativphase, wenn ich über Texte und Geschichten nachdenke, mache ich mir ganz viele Notizen. Ich kritzel meine Einfälle auf Zettel oder tippe sie in mein Mobiltelefon, wie es gerade kommt, völlig unsortiert: Stichwörter, Formulierungen, Dialoge/Dialogfetzen, die ich dann später am Rechner ausarbeite.
 

Ich schreibe zuhause am Schreibtisch, direkt am Computer. Ich verwende ein Notebook, fast zehn Jahre alt – fast schon uber-vintage! 

Für die Schreibtischarbeit brauche ich vor allem Ruhe und Zeit. Ich muss mich konzentrieren und in einen Text vertiefen können. Daher benötige ich jedes Mal einen kleinen Anlauf, um an die Arbeit zu gehen. Ich lasse mich leider sehr schnell ablenken/stören. Deshalb arbeite ich gern nachts, wenn Familie und Nachbarn schlafen. Das kann ich mir aber nur selten erlauben, weil ich ja tagsüber arbeiten muss.
  
 

Hat dich das Schreiben dieses Buches verändert? 
  
Ann: Nein, nicht wirklich. Aber: I am Ann Brondhem – und das macht Spaß...
  
 

Was kommt als nächstes? Eine Fortsetzung von "Endlich schwanger" oder etwas ganz anderes?
  

Ann: Ein Sequel zu schreiben, "Endlich schwanger 2 – jetzt erst recht!", das wäre wahrscheinlich das Schlaueste. Wie es scheint, lieben viele Menschen solche Buch-Serien.
 

Mein nächstes Projekt wird allerdings ein anderes sein. Ich will Erzählungen schreiben. Mittlerweile habe ich Ideen und Entwürfe für 20 Erzählungen, und es wird sicherlich dauern, bis ich damit fertig bin, weil ich nur sehr wenig Zeit zur Verfügung habe und daher sehr langsam vorankomme. Aber ich hoffe, meine (leicht schrägen) Liebesgeschichten in den nächsten zwei drei Jahren vollenden zu können. Und dann ist ja vielleicht genau der richtige Zeitpunkt für eine Fortsetzung von Lenas Geschichte, wer weiß?
 

Konkret habe ich für Sommer 2016 die Publikation eines Bandes mit vier Erzählungen geplant. Titel: TOTAL VERSAUT und andere Geschichten von der Liebe...




Für dieses Interview danke ich der lieben 
Ann Brondhem ganz herzlich und hoffe, euch neugierig auf ihre Bücher gemacht zu haben.

Ich bin sehr gespannt auf TOTAL VERSAUT - persönlich würde ich mich über Endlich schwanger natürlich auch sehr freuen :)

Kleine Erinnerung und dringende Kaufempfehlung für laue Lesenächte auf Sofa, Balkon und Terrasse:

"Endlich schwanger" von Ann Brondhem - Kindle ebook, ASIN B0196LHXOY


Buchrezension "Blut gegen Blut" von Benjamin Spang

Benjamin Spang ist ein humorvoller Zeitgenosse, mit Sinn für sympathischen, lesernahen Quatsch. Er ist ein überaus engagierter und marketingverständiger Autor, dessen Debütroman erfolgreich über Crowdfunding finanziert wurde. Benjamin schreibt meist morgens, noch vor der Arbeit - also dann, wenn ich vom Schreiben Pause mache und mich nach drei Stunden Schlaf um mein reales Leben kümmern muss. Dass ich diesbezüglich alle Achtung vor ihm habe, möchte ich hiermit noch einmal anmerken.

Sein Roman Blut gegen Blut handelt von der Luftschiffmechanikerin Katrina, einer jungen Frau, die in einer Welt voller Gefahren lebt. In ihrem Land Nuun herrscht Krieg mit den Werwölfen und den Vampiren und inmitten dieser bedrohlichen Lage, muss Katrina mit dem Verlust des spurlos verschwundenen Vaters und der alkoholkranken Mutter klarkommen. Dabei ist sie in sich selbst zerrissen, verarbeitet ihren seelischen Schmerz durch selbst verletzendes Verhalten. Eine derartige Problematik immer im Hintergrund mitschwingen zu lassen, empfinde ich als einen gelungenen Spannungsfaktor, mit Bezug zur realen Welt.
Schwächen sind auch in unserer Gesellschaft ein großes Tabu, aufwendig zu vertuschen und noch schwieriger ist es, mit ihnen nicht den Bezug zu sich selbst und der Außenwelt zu verlieren. 

Die Idee hinter der Geschichte finde ich großartig, wenn mir auch ab und an die Sprache zu wenig Struktur hatte und einige Szenen ein bisschen statisch erschienen. Auch die Orientierung in der Welt, die Benjamin seinem Buch erschaffen hat, fehlt mir an manchen Stellen. Hier und da wirft die Geschichte Fragen auf, wie bestimmte technische Errungenschaften der Welt von Katrina vereinbar sind. Im Großen und Ganzen fehlte mir aber einfach bis zum Ende des Buches die Identifikation mit Katrina. 
Für mich hat sie zwar einen starken Willen, erscheint mir jedoch nicht ausreichend emotional reflektiert, um sie bedingungslos sympathisch zu finden. Die innere Zerrissenheit, welche ihren Charakter begleitet, fühlt sich für mich einheiltich dunkel an. 

Mit Sicherheit ist sie durch das ganze Umfeld sehr abgehärtet, vielleicht auch gezwungen gewesen zu schnell Verantwortung zu tragen, aber die emotionale Reife ihres Charakters kommt leider ein wenig zu kurz. Was mir allerdings gut gefallen hat, sind die Kampfszenen, Anmerkungen über Charakterschwächen der Menschheit an sich und der Glaube an Familie.

Benjamin Spang schreibt gerne über starke Frauen und starke emotionale Bindungen zwischen Eltern und Kindern, über Idealismus und das Überleben in einer Welt, die einen nicht auffangen kann. Das spannende Ende des Buches lässt die Option auf eine Fortsetzung offen.
Auch wenn sein Werk inhaltlich ein paar Schwächen aufweist, ist es für ein Erstlingswerk qualitativ hochwertig produziert und aus marketingtechnischer Sicht, gut durchdacht. 

Umso länger man es liest und sich den Hintergrund der Handlung bewusst macht, desto mehr möchte man über Katrina und ihre Welt erfahren. 
Vielleicht muss man bei der Beurteilung dieses Buches von Benjamin Spang einfach ein Auge zudrücken und über die Stolpersteine hinwegsehen, denn der Ideenreichtum und die Liebe zu seiner Geschichte, liest man definitiv heraus.

Ich hoffe auf einen zweiten Teil, mit ein wenig mehr Erfahrung, mehr Tiefgang der Charaktere und noch ein paar mehr schaurig-schönen Kampfszenen, weiter so!


"Blut gegen Blut" von Benjamin Spang, erschienen im Tredition Verlag, ISBN 3734500745
Benjamin Spang im Web: www.blutgegenblut.de





Donnerstag, 19. Mai 2016

Rezension "Die Hüter des Schwarzen Goldes" von Inge Meyer-Dietrich & Anja Kiel

Noch einmal Kind sein, dachte ich mir, als ich dieses wundervolle Buch gelesen habe. Noch einmal die Welt mit den Augen eines Kindes sehen und die Magie des Verborgenen in unserer Welt in mich aufsaugen. Vor etwa fünfzehn Jahren war ich mit meiner Klasse in der Grube Fortuna, einem Besucherbergwerk in Solms. Schon damals empfand ich die Welt unter Tage spannend und bedrohlich zugleich. Es fühlte sich an, als ob ich die mir bekannte Welt da oben einfach hinter mir gelassen hätte und mich auf etwas völlig Fremdes einlassen musste. Den Geruch der Stollen, die Fahrt mit der äußerst unbequemen, winzigen Bahn und auch die Farbe des Gesteins, werde ich nie vergessen. 

Als ich letzte Woche das Buch las, fühlte ich mich direkt wieder zu diesem Tag zurück katapultiert. Ich war damals etwa gleichalt mit den Kindern aus dem Buch und erinnere mich gut an das Kribbeln im Bauch, das die Dunkelheit da unten ausgelöst hatte.

Im Buch ist der Ausflug in die Unterwelt aber natürlich viel aufregender und abenteurlicher. Die Geschichte handelt von der cleveren Sophie und dem draufgängerischen Fußballfan Luca, zwei Kindern, die bei einem Klassenausflug ins Bochumer Bergwerk von Zwergen entführt werden. Diese berichten ihnen von einer Prophezeiung, die besagt, dass zwei Menschenkinder ihnen helfen werden. Die Zwerge wurden um ihren Kraftstein bestohlen und benötigen dringend Hilfe. Außerdem sind sie mit dem Volk der Blaukobolde zerstritten, was die ganze Sache noch erschwert. Hinzu kommen später noch ein Werwolf, eine mystische weiße Frau und der Berggeist, der auf die Vernichtung der Störenfriede aus ist. Natürlich fällt der Verdacht zuerst auf die Kobolde, die sich anfänglich nicht gerade als nette Zeitgenossen erweisen. Im Laufe der Geschichte willigen die Kinder ein, nach dem verschwundenen Achazurit zu suchen und erleben allerhand aufregende Dinge im Bergwerk. Sophie und Luca können sich zu Beginn der Geschichte gar nicht so richtig leiden, werden jedoch durch die Abenteuer Freunde. Die Geschichte nimmt einen unerwarteten Lauf und die Kinder schaffen es am Ende, den Fall zu lösen.

Wer sich in der Welt des Bergbaus, des VfL Bochum und den sagenumwobenen Zwergen zuhause fühlt, wird sich in dieser Geschichte wiederfinden. Für mich als ruhrpott- und bergbaufremdes Hessenkind, ist die Geschichte ein Grund mehr, mich auf Entdeckungsreise ins Nachbarbundesland zu begeben. Eine meiner Meinung nach sehr gelungene und spannende Fantasygeschichte, die den Spagat zwischen Abenteuer, Realität und Fabelwelt definitiv geschafft hat.

Hoffentlich bereichern Inge Meyer-Dietrich und Anja Kiel uns noch öfter mit solch wundervollen Geschichten!

Vielen, vielen Dank für das tolle Buch, liebe Anja!


Inge Meyer-Dietrich & Anja Kiel - Die Hüter des Schwarzen Goldes - Henselowsky Boschmann / ISBN 978-3-942094-07-8

Sonntag, 1. Mai 2016

Kreative Inkompetenz

Eigentlich habe ich nicht damit gerechnet, aber es ist wieder passiert - Ich sammele immer mehr Erlebnisse, die sich mit meinen Büchern decken. Warum ist das so? Sind unserer Geschichten selbst erfüllende Prophezeiungen? Vielleicht steckt mehr von uns in unseren Büchern, als uns manchmal lieb ist und wir forcieren unbewusst die Ereignisse, über die wir schreiben. Vorgestern hatte ich Geburtstag und tatsächlich riechen meine Haare seitdem nach Grill, weil mein Bruder den Grill mit meinem Föhn angeheizt hat. Der Föhn wird wohl ein eine ganze Weile so stinken, vermute ich. Aber eigentlich finde ich das lustig, weil ich vor einem halben Jahr genauso eine Situation mit Grill, Föhn und danach stinkenden Haaren in mein Buch eingebaut habe.

Natürlich bin ich so sehr in meine Geschichten involviert, dass ich immer wieder mit Bezügen zu ihnen konfrontiert werde. Immerhin sind sie ja auch in meinem Kopf aktiv. Aber ab und zu muss ich einfach mal darüber schmunzeln, weil das schon sehr spezielle Ereignisse sind. Ich bin gespannt, was als nächstes passiert ...