Donnerstag, 30. November 2017

Sechs Jahre und zwölf Monate Dunkelheit // Eine Hassliebe

Sechs Jahre und zwölf Monate Dunkelheit, nur ein Glimmen hier und dort.

Jetzt.
Oder jetzt.
Vielleicht auch erst morgen oder nie.
Ich warte auf Erklärungen.

2010//2017
Film ab, Drama von vorne. Stopp, zurückspulen, lauter, leiser, Zeitlupe. Wer bist du? Ich vergesse deine Stimme, deinen Geruch, deine Berührungen. Die Zeit hat meine Worte aus deinen Haaren geweht, in die ich sie hineingeflüstert habe. Nur dein weiches Gold und das verspielte Schokoladenbraun blitzen hier und da noch durch meine Synapsen.

2012
Du bist frei! Ich lasse dich gehen, rief ich gegen den Sturm. Los! Lauf! Ich will nicht mehr träumen, was dir passieren wird und zusehen, wie es geschieht! Der Himmel klarte langsam auf, deine Melodie erklang in der Ferne wie ein Schlaflied, beruhigend und warm, bis es verstummte.

2016
Es folgten Schakale, Adler und Wiesel, doch kein Fuchs zeigte sich mir mehr. Mein Blick wurde müde. Jahre später nun, flüsterten die Halme von schwarzen Wolken am Horizont. In einem unerwarteten Moment tauschte ich Gold gegen Kohle und Schokolade gegen Jade, Haare und Augen, den vergessenen Geruch gegen einen noch unbekannten, die Stimme gegen Wellen aus samtenen Mooskristallen. Es war ein Trick. Ein neuer, verspielter und gefährlich scheuer Fuchs lockte mich in den Wald; unfreiwillig folgte ich seiner Fährte, nicht seinem Rufen, denn er rief mich nicht, er sah mich nur an und ich verstand. Mondlicht. Ich war in Trance, was sollte ich tun?

2017/1
Orientierungslos träumte ich wieder ein Leben, Kreuzungen, Momente und einen Herzschlag, der zwischen den Häuserschluchten für je eine Sekunde tatsächlich real wurde. Verpassen und treffen wechselten sich ab, eine hässliche Hetzjagd in mir begann. Ich hörte die Farben einer fremden Seele auf die Leinwand tropfen und zerriss in Panik das Bild, wollte nicht der Beobachter sein, rannte aus der Galerie. 

Vergeblich.

2017/2
Zwei Fuchsgesichter tollen nun in meinem sterbenden Laub, holen mich immer wieder ein, wenn ich sie auch mit den Steinen in meinem Herzen bewerfe, als ich davonlaufe. Flüchte ich wach, stolpere ich schlafend. Verweigere ich dir mein Ohr, sprichst du mit denen in meinem Umfeld, raubst ihnen ebenso den Schlaf. Fuchs, wer bist du, dass ich dich in vielerlei Facetten sehen, aber niemals länger als nur für dein Zwinkern berühren kann? 

Geist, ich will dich nicht mehr fühlen können, denn nur ich sorge mich um dich, niemals du dich um mich. Wozu sehe ich durch dieses Fenster, wenn es doch verschlossen bleibt? Ich will keine Bilder mehr in meinem Kopf öffnen, keine hilflosen Briefe mehr schreiben und keine Sehnsucht mehr in den Wind malen müssen, dass du mich endlich erhörst oder weiterziehst.

Fuchsgeist, der du Menschen beseelst, ich weiß, du bist feige, toll und blind, aber ich kann nicht anders, als dich zu lieben. Ich bin der Herbst, sterbe doch jedes Mal erneut für dich. Lehn dich doch eine Weile an mich und schweige, wenn du dich schon nicht traust, deine Geheimnisse zu erzählen. Frühling ist morgen noch immer und ich regne bunt auf uns hernieder.




Körperlose Erinnerungen an Orte der Berührung



Donnerstag, 23. November 2017

Wieder mal eine Buchveröffentlichung // Inga geht an den Start!

Ein halbes Jahr ist schon wieder vergangen, kaum zu glauben. Im Frühjahr war Ingas Buch doch gerade erst im Lektorat! Es ist jedenfalls soweit, wenn alles klappt, erscheint die Jugendbuch-Auskopplung aus dem Kosmos von #Luc (#Schneepoet) nächste Woche beim Twentysix Verlag unter dem Titel 


Am Horizont Schwarz

Worum es geht? Hier eine kleine Vorschau auf das Cover. Hoffentlich seid ihr genau so gespannt wie ich,

vielen Dank vorab an all meine Leser. Kommentare, weiterquatschen und Rezensionen sind wie immer von Herzen erwünscht.

Eure Nika




Inga und der drei Jahre ältere Lukas wohnen in derselben Straße. Kurz vor Ingas fünfzehntem Geburtstag wird aus ihrer jahrelangen Freundschaft unverhofft eine Beziehung.
Die kauzige Saxophonistin Inga und der physikvernarrte Grufti Lukas fühlen sich durch ihre Liebe zum Nachdenken und Unfugtreiben tief verbunden. Bis Inga zunehmend daran zweifelt, dass sie Lukas und all seine Geheimnisse wirklich so gut kennt, wie sie immer glaubte. Sie merkt bald, dass sie im Schnelldurchlauf erwachsen werden muss. Auf jeden Fall erwachsener, als Lukas es ist ...

Eine schräge, philosophische und emotionale Reise durch Freundschaft und Liebe zwischen Musikunterricht, Subkultur und Theorien über das Universum

Dienstag, 31. Oktober 2017

Erster Spoiler zu Ingas Roman-Auskopplung

Die Aufregung steigt, in etwa vier Wochen erscheint Ingas Jugendroman!

Ihr habt heute auf Twitter mit über 60% abgestimmt, dass ich einen Auszug daraus veröffentlichen soll, den ich blind aufschlage. Hier ist er, nun ganz frisch, von Seite 134 geklaut. So viel kann ich verraten, es geht in diesem Kapitel um Silvester.

Viel Spaß beim Reinschnuppern, was die fünfzehnjährige Inga so zu erzählen hat!


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Dennoch. Es stresst mich, dass die hier ist. Ich nicke und nehme Lukas den Plastikbecher ab. Ich trinke einen Schluck und verziehe das Gesicht. »Wuah, was ist das denn für eine Ekelplörre?« 
  »Wodka-Energy. Wenn du es nicht willst, gib es mir wieder. Ich mag das.« 
  Ich reiche ihm den Becher zurück und suche auf dem Küchentisch nach einer vollen Flasche Limo oder Cola zum Nachspülen.
  »Schmeckt ja wie in Brause aufgelöste Gummibärchen!«
Lukas schüttelt den Kopf und zieht mich am Ärmel. »Auf, ins Wohnzimmer. Wir spielen jetzt was!« 
  Ich greife nach der Zitronenlimo und laufe, zusätzlich mit einem neuen Becher und schlechter Laune bewaffnet hinter Lukas her. Im Wohnzimmer riecht es mittlerweile nach Kneipe und es ist kalt. Die Balkontür steht offen, weil ein paar Leute hier drinnen rauchen. Die innere Unruhe wird stärker, am liebsten will ich jetzt flüchten.

Die nächsten zwanzig Minuten sitze ich auf der Sofalehne und verfolge die albernen Antworten und Aufgaben beim Flaschen-drehen. Etwa die Hälfte der Partymeute spielt mit, die andere hat sich über Haus und Garten verteilt. Der mitspielende Teil ist betrunken und sehr albern. Wo sind wir hier? Im Kindergarten? Ich bin mir selbst die totale Spaßbremse, aber alles nervt.
  Ich bin dran und wähle ›Tat‹. Claudio muss mir eine Aufgabe stellen. Er sieht sich im Raum um und überlegt, bis er lacht. »Du musst Gummibärchen anlecken und sie Maike ins Gesicht kleben!«
  Geht klar.

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Donnerstag, 26. Oktober 2017

Doppel-Lesung Schneepoet und Tulpologie in Wien am 11.11.2017

Tadaa, meine talentierte Autorenfreundin Magret Kindermann und ich werden es tun: wir lesen gemeinsam für euch in Wien!

Worum geht es?

Um die Frage, was Identität ist und wie wir sie uns erhalten können. Im Rahmen dessen lesen wir jeweils aus unseren aktuellen Büchern #Schneepoet und #Tulpologie, da unsere Protagonist*innen sich ebenfalls mit dem Thema Identität auseinandersetzen.

Warum?

Es ist schwer, sich in der heutigen Zeit als Individuum zu behaupten und damit zufrieden zu sein. Wir haben so viele Möglichkeiten der Selbstverwirklichung wie noch nie und auch genauso wenig Anleitung, welcher Weg zu uns passt. Wir möchten gerne mit euch erörtern, was in Zeiten von medialer Überflutung an Idealvorstellungen ein gesundes Selbstbild ausmacht und wie man es erhält.

Wann und Wo?


Am 11.11.2017 um 18:00 Uhr 
in der Buchhandlung 

Books 4 Life 
Skodagasse 17
1080 Wien






Selbstverständlich könnt ihr euch dort unsere Bücher kaufen und oder signieren lassen. Gegen eine Spende von mindestens 3 Euro für armutsbekämpfende Projekte, für die sich die Buchhandlung einsetzt, lesen wir für euch.

Hier geht's zum Event der Buchhandlung:

https://www.facebook.com/events/255132021677523/

wir freuen uns auf euch, macht fleißig Werbung!

Nika Sachs, Schneepoet
Verlag: Twentysix, ISBN 9783740731649

Magret Kindermann, Tulpologie
Verlag: Twentysix, ISBN 9783740732530

Dienstag, 17. Oktober 2017

Frankfurter Buchmesse 2017 // Ein kurzes Nachwort

Kaum hat sie begonnen, ist sie auch schon wieder vorbei: die diesjährige Buchmesse in Frankfurt. Für mich war sie um einiges anstrengender als im letzten Jahr, was in erster Linie daran gelegen hat, dass Julia von Rein-Hrubesch und ich als Herausgeberinnen der Anthologie Sehnsuchtsfluchten am Stand unseres Verlages Twentysix ein Treffen veranstaltet haben. Demnach mussten wir unsere Autorinnen und Autoren zusammentrommeln, Schlafmöglichkeiten und Tagesabläufe für einige davon koordinieren. Im Großen und Ganzen hat das auch ganz gut funktioniert, es war mir für meinen Geschmack nur einfach viel zu voll. Es fällt mir schwer, die vier Tage spektakulär erzählenswert zusammenzufassen, zumal ich dort viel Berufliches zu erledigen hatte und die Messe bezüglich der Diskussion um den politischen Zwischenfall ambivalente Gefühle hinterlässt. Eines möchte ich jedoch ganz klar sagen:

Ich bedanke mich von Herzen bei meinen Kollegen, unseren Lesern und den vielen wundervollen Leuten, die zu einem angenehmen Miteinander beigetragen haben. Hoffentlich wird die nächste Messe wieder entspannter und die politischen Konflikte finden eine konstruktive Lösung. Ich finde, eine Gesellschaft braucht den (literarischen) Diskurs und Bücher; Worte sind Basis sowie Projektionsfläche sozialer Interaktion und Entwicklung. Gerade in Zeiten wie diesen ist Sprache in Schriftform wichtig, denn sie verweilt nachhaltiger als ein flüchtig dahingesagter Satz, der Missverständnisse verursachen kann. Durch das Aufschreiben von Gedanken schaffen wir Struktur, die dazu führen kann, dass sich unterschiedliche Ansichten auf einen tragfähigen Kompromiss leiten lassen, von dem wir alle profitieren könnten. Bildung und Diskussion sind wichtig, ich hoffe von Herzen, nicht erleben zu müssen, was meine Oma erlebt hat.

Donnerstag, 28. September 2017

Bücher schreiben lernen - geht das? Das geht! Und zwar zum Beispiel im Schreibhain in Berlin (Teil-Fernstudium)

Vor etwa anderthalb Jahren traf ich Tanja Steinlechner vom Schreibhain das erste Mal. Wir saßen gemeinsam in einer Runde von Autorinnen und Autoren und kamen schnell ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie eine Schreibschule leitet und "Schreiben" unterrichtet, was ich ziemlich cool fand. Seitdem ich Tanja kenne, habe ich bereits ein paar ihrer Schüler, einige Texte und auch den Schreibhain selbst kennengelernt und muss sagen, das ist eine ziemlich geniale Sache, weshalb ich sie gerne unterstützen möchte.

Wir alle haben andere Ansprüche an uns, unsere Texte und den Raum, den das Schreiben in unserem Leben einnimmt. Für diejenigen, die nicht wie ich am finanziellen Existenzminimum rumkrebsen und Interesse an einer richtigen Profi-Unterstützung haben, weil sie sich langfristig Erfolg beim Schreiben wünschen, ist die Ausbildung im Berliner Schreibhain eventuell eine große Chance.

Worum geht es in ein paar Sätzen?

- Start: 22.10.17

- Wo: Berlin (Stadtmitte)

- Die Ausbildung geht 19 Monate lang, jeden Monat findet ein gemeinsames Treffen im Schreibhain statt

- Kostenpunkt 240,00 bzw. 180,00 Euro im Monat

- Was springt dabei raus: professionelle Begleitung und Förderung individueller Talente, Vermittlung von Branchenwissen, Pitching vor Agenturen/Verlagen, eventuelle Übernahme und ziemlich sicher eine Menge Spaß und neue Kontakte

Wenn ihr mehr Infos möchtet, könnt ihr mir gerne eine Nachricht an Bordsteinprosa@gmx.de schreiben oder euch direkt bei Tanja melden.

Hier gibt es die Internetpräsenz des Schreibhains und die Fakten zur Ausbildung auf einer Seite:

https://schreibhain.com/alle-autorenausbildungen/berufsbegleitende-autorenausbildung/

In eigener Sache // Marketing und die Abhängigkeit vom Kunden

Diejenigen von euch, die ebenfalls im Selfpublishing veröffentlicht haben, kennen das: Wenn man selbst kein Marketing macht, tut es keiner. Mir fällt es generell schon schwer, auf fremde Menschen zu zugehen und sie anzusprechen. Wenn ich dabei noch etwas verkaufen will, erst recht. 

Vor zwei Wochen ist mein Roman Schneepoet nun endlich bei Twentysix erschienen und hat bereits ein paar umwerfende Rezensionen erhalten. 








https://www.amazon.de/Schneepoet-Nika-Sachs-ebook/dp/B075MPKMVC


Ich verfolge die Reaktionen meiner Leserinnen und Leser gespannt und bin mittlerweile davon überzeugt, dass dieses Buch wirklich eine große Leserschaft ziehen kann. Wieso? Weil es Gedankengänge freilegt, die uns allen etwas bedeuten:

Was tut mir gut? Was ist der richtige Weg, mit Problemen umzugehen? Wie weit darf ich mich gehen lassen, wenn es mir nicht gut geht? Wie behalte ich den Fokus auf das, was mich weiterbringt und erfüllt?

Viele dieser Fragen sind ein großer Teil der Generation, in die ich geboren wurde, aber auch meine älteren Leserinnen und Leser haben bereits Rückmeldung gegeben, dass sie sich sehr gut mit diesem Auf und Ab sowie dem Humor im Buch identifizieren können, obwohl die Geschichte an manchen Stellen innere Unruhe oder Ablehnung hervorruft (gewollt). 

Ich vermute, dass ich mit der Art, wie ich Probleme, Sehnsüchte und Selbstfindung literarisch angehe, ein Marktsegment bediene, das noch recht klein ist. Das ist schade, wenn ich bedenke, dass derzeit (im Mainstream) Bücher trenden, die wesentlich weniger konstruktiv und sprachlich anspruchsloser sind. Damit meine ich nicht, dass sich ein Buch sämtlicher Kunstmittel der Hochliteratur bedienen muss, sondern inhaltlich ansprechend, authentisch und gespickt mit Wortwitz sein sollte, damit man es nicht weglegt. Ich selbst mag gerne Bücher, die sich flüssig lesen und dabei noch einen flotten und kreativen, greifbaren Stil und Inhalt haben. Das habe ich selbst auch versucht. Da ich tatsächlich so denke und rede, wie ich es schreibe, hoffe ich, dass mir das geglückt ist. 

Soweit klingt das ja erst mal nach einem Erfolg für mich, was auch definitiv so ist. Und jetzt kommt das große Aber:

Dass ich im Selfpublishing bin, hatte für mich unter anderem den großen Vorteil, die Entscheidungsgewalt über meine Bücher zu haben. Jedoch fehlt mir ohne eure Hilfe die Reichweite, um davon leben zu können. Jetzt sagen bestimmt einige Leute: "Vom Schreiben zu leben ist utopisch" oder "Tja, das würde ich auch gerne ..." Zu Recht, die Buchbranche ist eine unsagbar harte und undankbare. Warum soll ich also diesen Wunsch weiterverfolgen, unbedingt von Kreativität leben zu können?

Die Begründung ist simpel:

Schreiben ist das, was mir am meisten liegt und was wie ein Zwang in mir verankert ist. In den letzten zehn Jahren bin ich in der Berufswelt fast nur angeeckt, da ich viele von der Gesellschaft geforderten Eigenschaften für ein Standardberufsleben einfach nicht habe. Ich bin nach unzähligen Versuchen bis hin zur drohenden Selbstaufgabe im Zombiemodus zu dem Entschluss gekommen, dass ich das nicht ändern kann und mich selbst verrate, wenn ich im erlernten Beruf bleibe. Am Ende war ich so unglücklich darüber, nicht meinen Platz in dieser Arbeitswelt zu finden, dass ich körperlich und seelisch krank wurde. Um das für die Zukunft zu verhindern, habe ich mich zu einer zweiten Ausbildung entschlossen (Sprache und Studium). Allerdings kostet sie Geld, ist aber mein einziger Lichtfleck, die nächsten dreißig Jahre produktiv zu einer funktionierenden Gesellschaft beizutragen.

Um mir das zu ermöglichen, muss ich nebenbei arbeiten, wie die Meisten von uns. Mit Kind, einem Kernkraftwerk im kreativen Zentrum meines Hirns und Soziophobie ist das allerdings super schwer. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ich genauso viele Tage brauche, mich von der gespielten Integration im erlernten Job zu erholen, die ich die Woche in der "Normalowelt" arbeite. Und das hat nichts mit Ablehnung der Anderswelt meinerseits zu tun, ich verstehe sie einfach nicht gut und bleibe konstant unsicher, das brennt mich aus. In dieser Zeit bin ich kreativ unfähig, weil ich erschöpft bin und komme nicht voran. Ein Teufelskreis also.

Mittlerweile bin ich Dank der Unterstützung einiger netter Menschen schon so weit, dass ich es schaffe, in Buchläden zu gehen, und zu fragen, ob mein Buch dort in die Auslage kommen könnte. Das kostet mich dennoch wahnsinnig viel Energie und ich kann natürlich nicht in ganz Deutschland umherfahren, um mich zu bewerben. Deshalb wäre ich euch dankbar, wenn ihr mich bei meinem Vorhaben unterstützen könntet.

Meine konkrete Bitte:

- Wenn euch mein Buch gefallen hat, empfehlt es weiter

- Schreibt mir eine Rezension bei Amazon etc.

- Fragt euren lokalen Buchdealer, ob er Interesse an meinem Buch hat

- Redet über mein Buch und die wichtigen Themen darin

- Lasst mein Buch rumreisen, fotografiert euch damit, wenn ihr es dabei habt und verlinkt mich auf Twitter #Bordsteinprosa #NikaSachs (Stadt, Urlaub, Buchhandlung, Bahn etc.)

- Fragt, ob ihr Flyer oder Poster für mich verteilen oder aufhängen dürft, das Material kann ich euch schicken

- Bestellt mein Buch im stationären Handel, damit es den Händlern auf dem Radar ist

- Wenn ihr Beziehungen zu Presse / Blogs / Buchhandlungen habt: Ich gebe prinzipiell Interviews, halte Lesungen und bin zu Diskussionen über die Themen im Buch bereit, auch wenn es mir schwer fällt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich möchte lernen, sicherer zu werden, weil es mir sehr am Herzen liegt, anderen Menschen mit sozial/neurosdivers gelagerten Problemen ein Vorbild zu sein, aus dem etwas machen zu können, was einem liegt.

Zur Buchmesse wird es auch eine lustig-schräge Lesechallenge geben, bei der wir ein Video drehen. Seid gespannt! Sobald es online ist, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr es fleißig teilt.


Vielen Dank fürs Lesen und teilen,

eure Nika

Samstag, 9. September 2017

Bucherscheinung Schneepoet am 07.09.2017

Aus und vorbei, drei Jahre Arbeit liegen jetzt hinter mir und Lukas, aus dessen Leben ich in Tagebuchform auf 268 Seiten berichte. Dieses Buch zu veröffentlichen lag mir so sehr am Herzen, wie kein anderes kreatives Projekt je zuvor. Das Thema wird mit Sicherheit viele Diskussionen eröffnen, erregen, faszinieren oder auch abstoßen. Mir ist wichtig, dass ihr darüber redet, euch fragt, wie wir Menschen mit unserem (Seelen-)Leben umgehen sollen, damit wir uns selbst nicht verlieren.

Einige Geschichten in diesem Buch sind an wahre Begebenheiten angelehnt, die in den letzten Jahren mein Leben in irgendeiner Art tangiert haben. Ich fand es wichtig, für mich selbst, als Autorin und Leiterin der Geschichte, zu erörtern, welchen Standpunkt ich beziehe; was ich in meinem Leben als erstrebenswert oder unerträglich befinde. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden, mit den Themen Gewalt, Sex und Depressionen verbal und emotional in literarischer Form immer offen umzugehen. Sie werden meiner Meinung nach noch immer zu sehr tabuisiert und es fehlt an Aufklärung, die vielen Menschen helfen könnte, besser zurecht zu kommen.Wem das eventuell zu nah geht, kann sich hier mein Vorwort durchlesen und entscheiden, ob er oder sie das Buch lesen möchte:

Zu diesem Buch

Dies ist das erste von zwei Tagebüchern, die Lukas schreibt, um
die Trennung von seiner Freundin Inga zu verarbeiten und mit
seinem Familiengeheimnis aufzuräumen.
Die Personen in diesem Buch sind fiktiv. Ich möchte klarstellen,
dass ich sowohl seelischen als auch körperlichen Missbrauch,
Drogenkonsum und selbstverletzende Handlungsweisen kritisch
sehe. Jeder dieser Punkte kommt in expliziter Form in diesem
Buch vor. Ein gesunder Umgang mit Körper, Geist und unseren
Mitmenschen ist mir ein wichtiges Anliegen und kann nur aus
selbstreflektiertem Denken und Aufklärung entstehen. Darum
bitte ich meine Leser, sich bewusst und sorgsam mit diesem und
anderen Texten auseinanderzusetzen, die Sexualität, psychische
Störungen und strafbare Handlungen thematisieren.

Obwohl es in Schneepoet viel um erste Themen geht, habe ich mich bemüht, die Charaktere und ihre Sprache so authentisch und humorvoll wie möglich zu gestalten. Eine gute Geschichte funktioniert für mich dann, wenn sie nicht nur thematisch, sondern auch emotional in sich stimmig ist und viel Raum zum analysieren bietet. Über die Kommentarbox hier, Twitter und E-Mail beantworte ich auch gerne Fragen, falls ihr euch beim Lesen welche stellt. Außerdem würde ich gerne wissen, welcher Tagebucheintrag euer liebster ist und wieso.

Natürlich hoffe ich, dass euch die Geschichte mitreißt und ihr wissen wollt, wie sie weitergeht. Eins sei dazu vorab gesagt: es gibt insgesamt vier Teile, von denen drei bereits abgeschlossen sind und der vierte fast. Um euch die Wartezeit bis zum zweiten Teil von Lukas' Tagebüchern im Februar zu verkürzen, erscheint Anfang Dezember ein Prequel aus Ingas Sicht, das zu Beginn der Nullerjahre spielt.

Eine Bitte noch: 

Es wäre schön, wenn ihr mir eine Rezension schreibt, wenn ihr das Buch ausgelesen habt und es anderen empfehlt, wenn es euch gefallen hat. Da ich alleine für mein Marketing verantwortlich bin, fände ich es auch super, wenn ihr das Buch über den stationären Buchhändler (Buchdealer eures Vertrauens) bestellt, damit ich die Chance darauf habe, auch in der Auslage vor Ort zu landen und Spontankäufer zu erreichen. Sichtbarkeit und direkte Werbung sind für mich extrem wichtig, denn den Markt für dieses Buch muss ich mir erst erschaffen.

Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen,

Nika






Schneepoet, erschienen bei TWENTYSIX
ISBN 978-3740731649

eBook folgt bald

Mittwoch, 16. August 2017

14 Bücher, 14 Gedankengänge // Kurzrezensionen

Ihr sucht neue Bücher? Vielleicht ist hier etwas für euch dabei. Das sind die letzten vierzehn Bücher, die ich gelesen habe und in Kürze das, was ich über sie denke:

Kerstin Jordan // Guten Tag, Tod mein Name
ISBN: 978-3-942786-21-8 / Piepmatz Verlag

Wer ist eigentlich Horst? Wenn jemand lustige Kurzgeschichte aus dem Alltag des Todes schreiben kann, dann Kerstin Jordan!

Martin Suter // Lila, Lila
ISBN: 978-3-257234-69-5 / Diogenes Verlag

Gutes Konzept, berechenbare Charaktere. Emotionale Tiefe kann Suter nicht erzeugen.

Nora Bossong // Rotlicht
ISBN: 978-3446254-57-2 / Carl Hanser Verlag

Ich dachte, ich hätte eine gut reflektierte Meinung zum Thema Sexarbeit und wurde eines Besseren belehrt. Sehr lesenswertes Buch über die deutsche Rotlichtszene und die Bedeutung von Sex für unsere Gesellschaft.

Eva-Maria Obermann // Simeons Rückkehr
ISBN: 978-3940443-31-1 / Schwarzer Drachen Verlag

Zwei Zeitebenen, zwei Menschen und zwei Realitäten. Ein spannendes Buch mit kleinen stilistischen Abstrichen.

Eva-Maria Obermann // Ellas Schmetterlinge
ISBN: 978-9963537075 / Bookshouse

Ein sehr gelungener Roman über Liebe, Beruf und den Umgang mit dem eigenen Leben in der Generation Y.

Larissa Pirell // Mia
ISBN: 978-3738637-24-3 / Books on Demand

Es fällt mir schwer, diese Geschichte zu beurteilen. Sie hat Entwicklung, aber mir ist die Protagonistin am Ende noch immer zu unreflektiert.

Dave Cousins // Warten auf Gonzo
ISBN: 978-3772527-79-1 / Verlag Freies Geistesleben

Dieser Roman ist leise, laut, real und fantastisch. Er beschreibt das ganz normale, chaotische Leben einer britischen Familie mit viel Herz.

Jens- Michael Volckmann // Neunundneunzig Namen
ISBN: 978-1520200-41-5 / Independently Published

Unser Weltbild ist ein krankes, verschobenes und trauriges. Eine emotionale und politische Geschichte, die schon heute geschehen könnte. Unbedingt lesen!

Lara Adrian // For 100 days
ISBN: 978-3802598-21-0 / Lyx Verlag

Einfach nein. Ich habe kein Problem mit vielen gesellschaftlichen Tabuthemen. Aber ich kann nicht in Worte fassen, wie gefährlich ich das Weltbild dieser Protagonistin finde. Dieses Buch ist nicht gut reflektiert und zudem schlecht geschrieben. Mich hat es verstört und erschüttert, wie selbstzerstörerisch Menschen mit sich selbst umgehen.

Filippa von Seyn-Wittgenstein // Filippas Engel
978-3769814-37-8 / Don Bosco Medien

Für mich persönlich waren die Gedanken des Mädchens nicht sonderlich spannend, aber die Art, wie das Buch aufgebaut ist und das Wissen, dass da ein Mensch in einer Familie fehlt, der geliebt hat und geliebt wurde, hat mich mitgerissen.

Myron Bünnagel // Flimmern
ISBN: 978-3-944-833-01-9 / open for books

Zombies an der Spanischen Küste? Wer auf Gruselgeschichten für Jugendliche und politische Verschwörungen steht, ist hier genau richtig! Eine spannende Geschichte.

David Levitan // Letztendlich sind wir dem Universum egal
978-3596811-56-4 Fischer Taschenbuch Verlag

Lesen, lesen, lesen! Dieses Buch hat von Liebe bis Depressionen alles, was unsere heutige Gesellschaft kritisiert und ist ein wundervolles Buch für Jugendliche und Erwachsene.

Hannes Köhler // In Spuren
978-3938539-18-7 / Mairisch Verlag

Kafkaesk und bedrohlich nah. Was ist Identität und wie funktioniert Freundschaft? nicht für jedermann, aber sehr gut geschrieben.

Benjamin von Stuckrad-Barre // Panikherz
ISBN: 978-3462048-85-8 / Kiepenheuer und Witsch

Dieses Buch bestätigt mich darin, niemals auf Drogen abstürzen zu wollen. Seit Langem bin ich hier sprachlich mal auf meine Kosten gekommen, ohne dass es sich um realitätsferne Kunst handelt. Dieser Kerl kann so gut schreiben wie er das eigene Leben wegwerfen konnte. Sehr lesenswert.

Samstag, 12. August 2017

50 Facts zum Buch Schneepoet // Die Autorin (das bin wohl ich) plaudert vor der Veröffentlichung aus dem Nähkästchen

Twitter ist aufmerksam und neugierig! Gestern startete ich dort eine Aktion, bei der ihr Leser mein Buch und dessen Charaktere vorab schon kennenlernen könnt. Die ersten 50 Infos habe ich hier zusammengefasst:


1 Das Buch ist ursprünglich ein Krimi gewesen

2 Luc hasst Weidezäune

3 Luc lässt seine Frau Bücher testlesen

4 Luc hasst es Luc genannt zu werden

5 Luc hat einen französischen Pass

6 Luc hat immer ein Vogelnest auf dem Kopf

7 Luc ist einer von denen, die im September schon Spekulatius kaufen. Und essen. Ohne fett werden

8 Luc ist ein Grufti ohne Mittelaltergedöns. Nur schwarz ohne alles

9 Weil Weil Luc Inga vermisst, verbannt er all ihre Fotos vorsichtshalber vom Handy auf USB und gibt sie seinem Bruder

10 Luc hat ein iPhone und Silas hackt deswegen auf ihm rum. Der kann Apfel-Technik nicht leiden

11 Inga nennt Luc einfach Franzose und er sie Hamsterbacke

12 Luc (und Silas auch) hat schwarze Haare und grünbraune Augen, Augenringe of Doom und Haut wie eine Kalkwand. Keine Sonne und so

13 Es gibt niemanden im RL, der für mich exakt so aussieht wie Luc / Silas

14 Es gibt eine real existente Person, die sehr nah an Inga rankommt, die ich aber nur vom Foto kenne

15 Ich habe nie selbst Drogen genommen, um für das Buch zu recherchieren, aber viele Leute befragt, die Drogen nehmen

16 Wäre ich mit einem männlichen Körper geboren, wäre ich wohl zw 15 & 30 auch ein Luc gewesen. Jetzt bin ich leider ein Silas 

17 Inga kann kein Französisch sprechen

18 Silas ist in Basse-Terre aufgewachsen und Luc in Hofheim am Taunus

19 Silas und Luc sehen sich sehr ähnlich, aber sie sind in der Körpersprache wie Tag und Nacht

20 Einer meiner liebsten Tagebucheinträge von Luc ist der vom 7.2.2011. Ich habe dabei sehr gelacht. Kopfkino

21 Der Tagebucheintrag vom 9.2.2013 hat mir die Scham vor dem enthemmt erotischen Schreiben ausgetrieben

22 Aus der Sicht eines Mannes zu schreiben fühlt sich für mich natürlicher an

23 Schneepoet hat ein Vorwort, in dem ich um reflektiertes Lesen und einen bewussten, konstruktiven Umgang mit den Themen Psyche und Sex bitte

24 Ich kann Luc, Inga und Silas 100% nachvollziehen. Sie sind in ihrer Denkweise Teile von mir, ohne identische reale Begebenheiten

25 Eine der wichtigsten Personen in den Büchern ist eine Nebenrolle.

26 Das zweite Tagebuch ist mein liebstes Buchprojekt

27 Mein Lieblingsschauplatz in Band 1 ist die Wohnung in Paris

28 Ich kann mir Schneepoet tatsächlich gut als Film(e) vorstellen. Aber nur FSK 16 und ohne Kitsch. Als TV-Produktion mit Frankreich.

29 Der Schneepoet hat insgesamt 5 Teile. 2 Luc Tagebücher, ein Inga Prequel, eine Kurzgeschichtensammlung und ein Sequel. 4 sind bereits fertig

30 Ich fahre durch einen lustigen Zufall wirklich Silas' Auto, aber mit weniger PS

31 Ich habe mir in Paris wirklich angesehen, was Luc arbeitet

32 Ich bin die Strecke von Véro zu Luc nach Hause wirklich durch Paris gelaufen

33 Dank @Doppelmond gibt es in den Büchern den einen oder anderen Döner-Gag

34 Luc hat Untergewicht und steht nicht auf Frauen mit Topmodel-Körper

35 der Humor, den Luc hat, basiert auf zwei realen Personen. Eine davon ist ein sehr guter Freund

36 Ich kenne jemanden von früher, der tatsächlich eine Frauenliste führt, Frauen aber nie als Objekt sieht

37 Ich schrieb dieses Buch bereits, da wusste ich noch nicht, dass es Shades of Grey etc gibt

38 Ich halte nichts von "geschlechterspezifischen" Rollenklischees. Ich konstruiere Charaktere und keine Schubladen. Mensch ist Mensch

39 Ich stehe häufiger mal automatisch im Männerklo und frage mich, weshalb andere komisch gucken

40 Luc hat ein Schokoladensuchtproblem

41 Luc müsste heute arbeiten

42 Die erste Version des Buches war aus Ingas Sicht geschrieben.

43 Wenn ich Luc treffen könnte, würde ich ihn fragen, ob er mir Mathe beibringt.

44 Luc kann recht gut singen und Inga weiß das nicht

45 90 % meiner Jugend verbrachte ich ausschließlich mit so emotionalen Vollidioten-Typen wie Luc.

46 Ich habe seit 2010 eine Französischlernblockade, bin aber hochgradig Frankophil. Dilemma

47 Silas arbeitet so mit Sprache wie ich es gerne könnte

48 Ich habe in 2 Jahren u.a. 4 komplette Bücher mit zw. 250 u. 400 Seiten geschrieben, die alle mit Luc zu tun haben

49 Ich habe Angst, den letzten Teil zu schreiben, weil er in der Zukunft spielt

50 Die Frauenliste von Luc ist fast dreistellig

Donnerstag, 3. August 2017

Bucherscheinung SCHNEEPOET - Paris // Luc hat endlich ganz offiziell einen Titel


Es ist raus, aus und vorbei, das Versteckspiel rund um die Geschichte meines Protagonisten Luc. Der Titel seines ersten Tagebuchs ist seit heute offiziell. Erraten hat ihn eine meiner Followerinnen auf Twitter, die das Buch zum Dank für die Teilnahme am Ratespiel als Printausgabe erhalten wird. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, der erste Band über Luc lautet:

SCHNEEPOET

Erscheinen wird das Buch Anfang September im Taschenbuchformat und als eBook bei Twentysix (Mehr Details bald hier und auf Twitter @bordsteinprosa // @NikaSachs). Weil es bis dahin noch ein paar Wochen sind, will ich euch das Warten mit ein paar Hintergrundinfos zum Buch (und natürlich dem Cover) versüßen. 

Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass die Tagebücher von Luc nicht autobiografisch sind, jedoch die eine oder andere Geschichte enthalten, die so oder so ähnlich in meinem Umfeld stattgefunden hat. Ich war über die Jahre hinweg immer wieder erstaunt, wie kurios das Leben sein kann und welche Ereignisse es tatsächlich so ausspuckt. Die am unrealistischsten wirkenden Nebengeschichten im Schneepoet sind tatsächlich an wahre Begebenheiten angelehnt. 

Der Prozess, dieses Buch zu schreiben hat knapp zwei Jahre gedauert, drei komplette Versionen hinter sich und wurde letztendlich auf zwei Romane aufgeteilt. 700 Seiten sind einfach zu intensiv mit einigen der Themen (manische Depression, Drogen, seelischer und körperlicher Ausverkauf, Selbstfindung, Sehnsucht, Schuldgefühle, Familienkonflikt). Außerdem besteht die Geschichte aus zwei Abschnitten, die an unterschiedlichen Orten spielen. Teil zwei erscheint im Frühjahr, dazwischen wird es ein Prequel geben, das aus der Sicht von Lucs Exfreundin Inga erzählt ist. Ein Jugendbuch, das noch einmal andere Sichtweisen ermöglicht. Es ist bereits fertig, die Veröffentlichung ist für Dezember angedacht.

Aber noch einmal zurück zu Luc - ich dachte, ich gebe euch ein paar Einblicke in die Entstehung des Covers, das ich in vielen Stunden gezeichnet habe. Inklusive der Schrift des Titels.
Angefangen hat alles mit dem Wort Schnee. Es ist eine Anspielung auf Kokain, das in Lucs Tagebuch hin und wieder eine Rolle spielt. Da er therapeutisch über sein Leben schreibt und sich selbst als Pseudophilosoph sieht, war schnell klar: Luc ist ein Schneepoet. 

Ich wollte eine Schreibmaschinenschrift, fand aber keine, die ich problemlos verwenden konnte. Also zeichnete ich mir eine. Mein langjährig guter Freund und Projekt-Kollege Markus Michel hat mir sämtliche digitalisierte Zeichnungen und Maße am PC umgesetzt. Weil Luc in Paris wohnt, Physik studiert hat, im Naturkundemuseum arbeitet und Elektrizität liebt, kam mir die Idee, ihm einen Eiffelturm zu schenken. Einen Strommast-Eiffelturm. Es war sehr schwer, dieses Bild aus frei verfügbarem Material zu photoshoppen, ohne Bildrechte zu verletzen. (Ich habe dafür sogar einen französischen Freund gequält, den Betreiber des Eiffelturms absichernd anzuschreiben) Da ich mir einen Foto-Trip nach Paris vorab nicht leisten konnte, zeichnete ich ihn.
In 6 Stunden, auf einen Bogen DIN A3 Bristolpapier.
Ich weiß, was ich definitiv nicht mehr machen werde: einen Eiffelturm zeichnen ...


Bristolpapier, Bleistift und Faber-Castell PITT artist pen xs.
Wie alles begann ...


Da waren schon anderthalb Stunden rum


Einige Stunden und Fingerkrämpfe später ...

Der Hintergrund des Covers ist eine Wolkentextur, die ich selbst fotografiert habe. Sie spielt im Buch auch eine wiederkehrende Rolle. Darüber liegt ein durch mein Kaleidoskop fotografierter Brief. Ja, es sind tatsächlich Textstellen aus dem Buch.

Ich danke von Herzen meiner Freundin und talentierten Krimi-Bestseller-Autorin Nicole Neubauer, die den Schneepoet vorab gelesen und mir ihr Feedback als Kurzrezension für das Cover zur Verfügung gestellt hat. Das Buch hat ihr so gut gefallen, dass sie mir kurzerhand ihren Ermittler #Hannes Brandl (Kellerkind/Moorfeuer/Scherbennacht, erschienen bei Blanvalet) für (bisher erst) eine Kurzgeschichte geliehen hat. Auch diese erscheint nächstes Jahr in der Auskopplung. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen uns und den beiden ist schon geplant.



Et voilà, das Cover und der Klappentext. Hoffentlich freut ihr euch darüber so sehr wie ich.




Eure Nika





Nika Sachs, Schneepoet // Ab September 2017 bei Twentysix und eurem Buchdealer erhältlich


Mittwoch, 2. August 2017

Viel zu selten von der Seele zeichnen // birds of a feather flock together

In letzter Zeit zeichne ich zu wenig, weil ich aufgrund der anstehenden Buchveröffentlichungen einfach keine Zeit dazu finde. Dabei ist das nächtliche Zeichnen für mich eine wichtige Form der Gedankensortierung, denn es beruhigt und inspiriert mich immer dann, wenn ich in einem Text oder Alltagsproblem nicht weiterkomme. Dieses Kreativ-Kanal übergreifende Arbeiten verschafft mir meist einen Fokus, fördert den gedanklichen Transfer und führt zu unkonventionellen und effektiven Lösungswegen für Blockaden sämtlicher Art.

Die Geschichte zu diesem spontanen Bild ist (neben dem Zeichen-Battle mit Jessica Iser) ein weiteres Buch, eine Auskopplung zu Lucs Tagebüchern. Sie wird nächstes Jahr um diese Zeit veröffentlicht und besteht aus Kurzgeschichten, die sämtliche Protagonisten des Luc-Kosmos zu unterschiedlichen Zeitpunkten erzählen. Dies wird das vierte Buch der Reihe rund um Luc und Inga und ist mit 200 Seiten beinahe fertig. Lucs Bruder Silas und Kraniche spielen darin eine zentrale Rolle. 

Ursprünglich wollte ich eine andere Idee mit Kohle, Tusche und Copic umsetzen, stellte beim Zeichnen aber fest, dass das Bild etwas anderes werden will. Meine rothaarige Protagonistin Véronique war heute gar nicht eingeplant, hat sich still und heimlich in meine Vorstellung eingeschlichen. Die Auskopplung beschäftigt mich derzeit häufig, da sie kurz vor der Fertigstellung steht. Dass ich Véro heute thematisch auf die Auskopplung bezogen visualisiert habe, mag mit unter daran liegen, dass ich die neuen roten und braunen Graphitstifte probiert habe, die ich meiner Kollegin Wiebke verdanke. Ihr möchte ich das DIN A2 große Bild auch widmen.


Tusche, Copic, Kohle, Bleistift, Graphit 190g Papier DIN A2

Dienstag, 1. August 2017

Es ist geschafft - unsere Anthologie #Sehnsuchtsfluchten ist ab sofort im Handel erhältlich!

Ein knappes halbes Jahr nachdem sich unsere Autorengruppe zum gemeinsamen Experiment zusammengefunden hat, ist es endlich soweit:

#Sehnsuchtsfluchten ist im Handel erhältlich!

Wir hatten eine Menge Spaß in dieser Gruppe, sind durch die enge Zusammenarbeit und die intensive Auseinandersetzung mit uns selbst, um einige, sehr hilfreiche Erfahrungen reicher geworden. Wir hoffen, dass euch Lesern das Buch gefällt und wünschen uns natürlich, dass ihr uns durch den Kauf unterstützt, anderen davon erzählt und rezensiert.

Auf dass es hoffentlich eine zweite Anthologie mit neuem Thema und alten sowie neuen Autoren geben wird!

Vielen Dank, 

eure Nika





Hier geht es direkt zu Amazon:

Freitag, 28. Juli 2017

"Bei mir stirbt immer jemand" // Interview zur Anthologie "Sehnsuchtsfluchten" mit Erfolgsautorin Nicole Neubauer

Hallo Nicole, du bist mit Abstand unsere erfahrenste Autorin in der Runde, wenn es um Publikationen und Reichweite geht. Deine Bücher sind Bestseller und meiner Meinung nach absolut zu Recht! Was hat dich dazu bewegt, dich unserem Gemeinschaftsprojekt anzuschließen?

Erst mal danke fürs zu Recht – das tut in meiner Dauerselbstwertkrise gut. Zum einen fasziniert mich die Mischung der Autorinnen und Autoren, ein wilder, unabhängiger und unberechenbarer Mix.
Zum anderen hat mich das Thema angesprochen. Starke Emotionen – das ist es doch, worum es in guten Büchern geht. Egal, in welche Genregrenzen man sie zwängt.

War das Thema „Kurzgeschichte“ für dich ein Experiment oder schreibst du öfter auch Texte abseits von mehreren hundert Seiten?

Ich habe schon mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht, bisher kulinarische Kurzkrimis in regionalen Anthologien. Am Anfang waren sie für mich eine Strafe. Ich brauche Platz, will immer ganz detailreiche Biografien entwickeln, unter „Buddenbrooks“ fange ich gar nicht an. Aber mittlerweile habe ich an der kurzen Form Gefallen gefunden.

Das kann ich gut verstehen, ich lese auch gerne viele Details, sie machen einen literarischen Kosmos lebendig. Ich bin immer traurig, wenn ein Buch schon vorbei ist. Deine Geschichte ist sehr speziell, hattest du die Idee schon lange und wo kam sie her?

Die Geschichte hat sich aus einem Facebook-Battle entwickelt, bei dem wir uns Kurzkrimis zugerufen haben, und dazu inspiriert hat mich der Song „Join Me In Death“ – meine erste Fanfiction. Ich bin ja eine alte Krimitante, zwischen Wänden voller Krimis aufgewachsen, bei mir stirbt immer jemand. Und ich war auch immer Fan von jemandem. Ohne Fandom fehlte mir etwas. Eine große, wichtige Form von Liebe, die der Liebe zu realen Menschen nichts wegnimmt, sondern gibt.

Das hast du schön gesagt, klingt ja wie eine literarische Polygamie, bei der alle gewinnen, sowohl die Idole als auch die Leser und Fans, die diese Liebe miteinander teilen. Überhaupt geht es in unseren Geschichten ja oft um Liebe und Zusammengehörigkeit. Im Falle deiner Kurzgeschichte artet dieses Bedürfnis nach Kontakt ja aus. Ist dir das schwer gefallen, dich in diese Szene hineinzuversetzen? Sie entspricht ja offensichtlich nicht einer gesunden Auffassung von sozialer Interaktion.

Wir hatten es heute, schon von der Polygamie, oder? ;) In solche dunklen, abgründigen Gedankenwelten kann ich mich sehr gut hineinversetzen. Ich denke mir, dass jeder von uns diese dunklen, beängstigenden Seiten hat. Wenn ich sie literarisch ausleben kann, kann ich im realen Leben eine Nette sein. Mit der Kettensäge eben nur Papas Haselnussstrauch bearbeiten und nicht die nervigen Nachbarn persönlich.

Jetzt bin ich erleichtert. Solange du also schreibst, muss ich mir keine Sorgen machen, wenn du die Kettensäge rausholst? Spaß beiseite, ja, das ist wahr. Diese dunklen Ecken hat wohl so ziemlich jeder und so viele Menschen es gibt, so viele verschiedene Wege gibt es auch, diesen Ecken einen Raum zu bieten, in dem sie existieren dürfen und sollen. Schreiben ist für mich ein ganz wundervoller Weg, zu mir selbst zu finden und Szenarien explizit durchzugehen, die im Leben außerhalb von Texten einfach untragbar sind. 

Am Ende haben wir durch das Schreiben einen Lerneffekt, als ob wir es tatsächlich erlebt hätten. Ich erhoffe es mir bei meinen Lesern sehr, denn ich schreibe bewusst über unangenehme emotionale Themen. Wie ist das bei dir, willst du deinen Lesern auch solche Erkenntnisse mit auf den Weg geben oder ihnen einfach ein spannendes Leseerlebnis bieten?

Gut, dass du das sagst, ich finde es auch gut, diese Gedanken, bei denen man sofort den Reflex hat: Da darfst du nicht mal hindenken – dass man diese Gedanken damit ins eigene Leben zurückholt. Denn die schwarzen Seiten gehören zum Menschen, es ist nur die Frage, wie wir damit umgehen. Mit welcher Haltung.
Ich möchte nie den Lesern etwas mitgeben oder eine Botschaft vermitteln, sondern immer nur eine gute Geschichte schreiben. Deswegen betrachte ich auch schwierige Themen immer von allen Seiten – aber immer mit meiner eigenen Haltung, die dort durchscheint. Die kann ich nun mal nicht abschütteln. Es wird bei mir zum Beispiel immer Grausamkeit in den Texten geben, weil der Mensch nun mal grausam ist – aber nie zu Unterhaltungszwecken, um sich daran zu weiden.

Das ist ein guter Ansatz, finde ich. So kann sich jeder das aus dem Text ziehen, was ihn persönlich am meisten interessiert, und trotzdem gibt es eine Orientierung darin.

Na, ich weiß ja nicht, ob ein Chaotenweib wie ich anderen Orientierung geben kann.

Also, wenn du dich als Chaotenweib bezeichnest, dann bin ich das auch. Vielleicht sind alle Autoren ein bisschen chaotisch und sonderbar? Ich mag das. 

Für mich war diese Anthologie ein richtiger Energie-Kick, die Bestätigung, dass ein guter Text ein guter Text ist und ein Thema auch genreübergreifend funktioniert. Ich bin sehr gespannt, wie dein dritter Roman „Scherbennacht“ ist, der im September beinahe zeitgleich mit meinem Roman über Luc erscheint. Überhaupt, bin ich total geplättet, dass wir beide gemeinsam an Texten gearbeitet haben und das auch noch immer tun. Vor allem freue ich mich darüber, dass dein Hannes und mein Luc sich mittlerweile kennen und eine gemeinsame Geschichte haben (die leider erst nächstes Jahr erscheint). 

Aber vielleicht finden wir uns ja vorher noch einmal alle zusammen, um eine weitere Kurzgeschichtensammlung zu schreiben. Hättest du da Lust drauf?

Unbedingt! Eine, viele und Weltherrschaft! Ich freu mich auch auf unser Gemeinschaftsprojekt mit unseren Protagonisten Hannes und Luc. Wir müssen das noch zu Ende schreiben. Wie wäre es von Paris aus? Das wäre doch glamourös.

Das Herrliche am Autorendasein ist ja, dass man sich die Zeit ein bisschen frei einteilen kann und so seinem Chaotendasein entgegenkommen. Ich konnte mich schon immer schwer konzentrieren. Das ist ein Problem, wenn man diszipliniert viel schreiben will, aber auch ein Segen. Und der erste Entwurf darf ja auch wild sein, oder?

Alles darf wild sein! Und Paris klingt sehr, sehr gut ;) Du musst dir Lucs Arbeit im Museum anschauen, vielleicht fällt dir danach noch etwas Spannendes ein für die beiden?
Wenn du dir ein Thema für die mögliche zweite Anthologie aussuchen könntest, auf welches hättest du Lust?

Ihr hattet ja schon Ideen. Rock'n Roll oder Kunst. Oder etwas ganz Anderes. Meine letzte Kurzgeschichte habe ich über das Thema Honig geschrieben. Je verrückter, desto besser.

Genau mein Ding! Ich glaube, ich muss mich jetzt sofort hinsetzen und mir ein total bescheuertes Thema aussuchen. So geht auch die Zeit schneller rum, bis wir die Anthologie endlich in den Händen halten können. Es war auf jeden Fall ein tolles Zusammenarbeiten! Ich bedanke mich von Herzen für dieses Interview mit dir und spreche dir bestimmt mitten in der Nacht meine Ideen auf Band. ;)


Ich danke Dir auch, es hat total Spaß gemacht. Und ich freue mich auf neue bescheuerte Themen. Diese Projekte geben mir die Freiheit, auch mal ungewöhnliche Formate auszuprobieren.

Bild: Nicole Neubauer

Donnerstag, 27. Juli 2017

In sieben Tagen um die Welt oder doch nur von München nach Berlin // Schreibend auf Reisen Teil II

Hauptstadt – again.
Berlin, das ist Orientierungsverlust in Zeit und Raum; Urlaub von der eigenen Identität, in dem man versucht, selbige zu festigen. Oder gar zu finden. Berlin, das ist mehr oder weniger liebevoll entarteter Exzess, bei dem man Körper und Geist auf einen Marathon schickt und sich danach fragt, ob es scheiße oder geil war. Im Zweifelsfall beides: scheiße geil. Berlin, das ist Frühstück im Szenelokal, in dem man auf Englisch ein bio-öko-fairtrade-veganes Müsli für zehn Euro bestellt und es sich zwischen GZSZ-Sternchen und Plattenbossen im Jogginganzug reinzieht. Mit authentischen Ich-bin-so-wichtig-dass-ich-keine-Zeit-zu-Schafen-habe Augenringen und dem bis zur Perfektion geplanten Verlotterungslevel auf dem Kopf. Im Wilmersdorfer Hinterhof ertönt schallend Waterlove und zieht mich in einen tranceartigen Zustand der Erinnerung an meine frühe Jugend. 

After the sun comes rain
After the rain comes sun

Motto der vergangenen Tage, auch am Himmel.

Bis gestern habe ich nach jedem Aufwachen auf die eingetrockneten Weintrauben, die Mandarine und die Zitrone auf dem Gitarrenverstärker gestarrt. Selfmade-Rosinen. Das Obst wurde ungeplant zum Vanitas-Symbol und hat sich irgendwie so ins Gesamtbild der Wohnung integriert. So wie ich, jedes Mal, wenn ich hier bin. Ich intergiere mich, in der Hoffnung auf etwas zu stoßen, das mich zentriert, fokussiert und zerstreut zugleich. Mit Artsever und Long Awakening auf den Ohren tauche ich am Alex in der Masse unter und beobachte Menschen, ihre Dramen und Glücksmomente. Mein spontan im Prenzlberger Späti gekaufter Regenschirm stülpt sich schon nach den ersten Metern um, der Wind ist zu stark. Von allen Seiten regnet es und nach zwei Minuten Fußweg vom Zoo zum Italiener bin ich komplett geduscht, genervt und in der richtigen Stimmung, mich den Pöbelpennern anzuschließen, die auf der Telefonzelle hocken und den Weltuntergang prophezeien. 

Fuck you, Karma!

Trotz des Gedankenwusts der letzten Tage bin ich zufrieden, ich war produktiv. Die Lesungsplanung für September hier läuft, unsere Anthologie Sehnsuchtsfluchten ist bei Amazon unerwartet auf Rang 10.000 eingestiegen, ich hatte ein paar sehr konstruktive Gespräche mit anderen Künstlern – es könnte also schlimmer sein, obwohl mich die eigene Rastlosigkeit nervt. Oder nervt Berlin? Die Stadt ist doch der Inbegriff von Freiheit, die man instant (und nur zum völlig überteuerten Preis der Anonymität und nach dem Abwischen der oberflächlichen Lockerheit ans Tageslicht tretenden Gleichgültigkeit der anderen) vor die Füße geworfen bekommt. Best-friends-party-big-time-tomorrow-go-fuck-yourself-who-are-you?

Die Illusion von letzter Nacht, zwischen Neonlicht und U-Bahngestank.

Freiheit ist hier nur der Begriff für die fehlenden Grenzen und den fehlenden Halt, aber das passt schon so, jeder kann hier im Einheitsbrei der Individualität auf- und wieder untergehen, sein eigenes Schiffchen versenken und als U-Boot weiterdümpeln, bis eine Insel in Sicht ist, vor der man mal ankern kann. Am Horizont dieses Großstadt-Ozeans der unbegrenzten Möglichkeiten erstreckt sich mahnend die Plattenbaulandschaft zerplatzter Träume. Ich hassliebe die Berliner Mentalität, sie inspiriert mich, bestärkt mich darin, hier nicht alt werden zu wollen. Ich bin nur Zuschauer, manchmal mein eigener. Aber das ist gut so, ich gewinne durch die fortschreitende Desillusionierung nur an Disziplin, mich beruflich und kreativ ausschließlich auf mich selbst zu verlassen und gleichzeitig das Netzwerk zu vergrößern, weil es ohne nicht geht. Lernen. Möglichst alles, was mich weiterbringt, in Etappen. Die Leistung muss man im Zweifel selbst erbringen können, wenn das Netzwerk wegbricht. Das ist eine harte Erkenntnis, weil wir so viel einfacher ans Ziel gelangen, wenn wir den Kopf nur für die Kunst frei haben. Diese Blase hatte ich nie um mich, vielleicht ist das der Grund, weshalb ich nie übereuphorisch über die eigene Zukunft rede und die Melancholie mein bester Freund ist. 

Erfolg ist die Summe an Entscheidungen, die es mir möglich machen, nicht aufgeben zu müssen, was ich liebe. Erfolg ist nur Ergebnis des konstruktiv umgesetzen Scheiterns. Mein Schaffen kennt die Manie gut, aber der geschäftliche Teil in mir ist und bleibt der innere Skeptiker, der mir hilft, den Bezug zur Umwelt aufrecht zu erhalten. Kritik und Lob sind für mich eins. Und sie sind mein Antrieb, bremsen mich an der richtigen Stelle aus und lehren mich, dass mein größtes berufliches Potenzial in meinen Schwächen liegt.
Alles hat eben seine Zeit und so lange ich kann, will ich lernen, lieben und leben. Möglichst zufrieden und geistig, emotional sowie finanziell ausgelastet.

Samstag, 22. Juli 2017

In sieben Tagen um die Welt oder doch nur von München nach Berlin // Schreibend auf Reisen Teil I

Samstagmittag, Starnberger See. 
Zwischen Porschefahrern und Polohemdenträgern sitze ich mit Freundin und Autorenkollegin Nicole Neubauer im Biergarten des Strandbads und lese. Benjamin von Stuckrad-Barre, Panikherz. 
Vorgestern hat sie mir das Buch geschenkt, nachträglich zum Geburtstag. Schon einige Male bin ich um diesen Titel herumgeschlichen, konnte mich aber bisher nicht dazu überreden, ihn zu kaufen. Ich wusste, dass dieses Buch etwas mit mir tun würde. Manche Geschichten ziehen einen in einen Lesebann, man will und kann ein Buch dann einfach nicht aus der Hand legen, bis es ausgelesen ist. Wenn man gerade weder Zeit noch Kopf für ein solches Anwesenheitsloch in der Alltagsdimension hat, ist das eher ungünstig. Hier in München ist mir das egal, München tut mit mir, was es immer tut. Es saugt mich auf und ich sauge München auf, verschwimme mit dem Stadtbild. Ich beobachte, analysiere, reflektiere und scheitere an meinem Wunsch nach einem Fokus.
Jetzt.
Nein, jetzt.
Aber jetzt doch!
Nein, kein Fokus. Ich treibe. Melancholisch verträumt wie beinahe immer sammle ich Details. Gerüche, Geräusche, Menschen, Momente. Inspiration.




Ich liebe das Panikherz, es gibt mir den Fokus, den ich gerade von alleine nicht einstellen kann. Es spricht aus, was ich denke. Oft.

Man trauerte Erlebnissen hinterher, von denen man träumte, sie schon gehabt zu haben. Lektionen in Melancholie. It must have been good but I lost it somehow.

Nur schwer gestehe ich es mir ein, aber: ich mag das. Mehr als mich durch die festgefahrenen Abläufe eines geregelten Tagesablaufs selbst zu beschränken. Kreativität geht ihre eigenen Wege, aber wir können diese erleichtern oder erschweren.
Melancholie ist für mich ein sehr hilfreiches Werkzeug, mit dem ich Zugang zu ihr bekomme, aber ich weiß auch, dass ich den Hahn nicht zu weit aufdrehen darf. Depression ist keine Option und sehnsüchtig zu sein ist etwas, das ich nur genießen kann, wenn ich weiß, wo ich den Hafen finde. Für immer kann und will man nicht umherschippern. Und das tötet die Kreativität auch irgendwann, denn Unglück ist nicht auf ewig eine Quelle für Ideen. Sie versiegt, wenn Sehnsucht destruktiv wird, wenn man sie wie einen Kult betreibt. 

Deshalb ist mein in Wien neu begonnenes Romanprojekt auch ausnahmsweise mal keine harte und bitterböse Dramödie, sondern eine Liebesgeschichte mit satirischen und humoristischen Elementen. Natürlich mit dem gewohnten Tiefgang, aber eben leichter als die vorherigen Romane. Eine kleine Jolle, nur wenig Seegang. Die Wasseroberfläche glitzert und die Gewitterwolken am Horizont fliegen nur drohend vorbei, ohne abzuregnen.

Nicole und ich waren produktiv, haben in den letzten zwei Tagen beinahe die gesamte geplante Kurzgeschichte geschrieben. Dabei komme ich mir ein bisschen surreal vor, dass mein Protagonist Luc tatsächlich auf Nicoles Ermittler Hannes gestoßen ist und die beiden sich gegenseitig von ihren Verfehlungen berichten. Unsere bereits im Frühjahr angedachte Idee wurde real, greifbar, lesbar und hat uns einige Male laut lachen lassen. Ich hatte richtig Angst davor, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert, dass wir keine gemeinsame Sprache für diese so ähnlichen und dennoch grundverschiedenen Protagonisten finden.
Luc und Hannes sind sich zum Glück grün, nachdem sie die Münchner Nacht, in der sie sich nun literarisch begegnet sind, kompostiert und ausgespuckt hat. München hat Luc eingeatmet, nächstes Jahr um diese Zeit erscheint diese Geschichte in einem Sammelband, als Teil vier der Romanreihe um Luc und Inga.

Also atme ich auch tief (aber nur mittelmäßig erleichtert) ein, genieße die verbleibende Zeit in der Altbauwohnung in der Nähe der Münchner Freiheit und höre zu. 
Gerade dem Stimmengewirr der Straßencafés vor dem offenen Fenster und meinem eigenen Panikherz, das sich gemeinsam mit meinem Panikmagen gegen mich verschworen hat. Morgen Abend geht es mal wieder ins Hassobjekt Flugzeug. Berlin. Von der Bayernmetropole in die Hauptstadt, zum Interview mit Erfolgsautor Martin Krist und diversen kleineren Terminen rund ums Schreiben, Kreativsein und wie man von etwas leben kann, das ekstatischer Rausch und nüchterner Fokus zugleich sein kann.

Johny Doluptas im Interview // Anthologie #Sehnsuchtsfluchten

Hallo Johny, du bist mit frischen achtzehn der Jüngste in unserer Autorenrunde und gerade dein Text "Dein Liebeskummer" hat mich total begeistert. Seit wann schreibst du schon?

Ich schreibe seit vielleicht vier Jahren. Das ist eigentlich aus einen Gag und bisschen Spinnerei geboren. Richtig intensiv, viel und in der Form wie es jetzt vorliegt, schreibe ich ungefähr seit zwei Jahren.

Deine Texte sind sehr emotional und spiegeln die Gedanken junger Menschen, die viel nachdenken und versuchen, die Welt zu begreifen. Bist du selbst auch so ein Vieldenker?

Bei Emotionen ja, da gehört es für mich einfach dazu, viel nachzudenken. Da gibt es so viele Punkte die bedacht und reflektiert werden müssen. Leider entstehen so auch Sorgen und Ängste, wie sie sich in meinen Texten finden lassen, aber dieses Nachdenken ist wichtig und führt zu guten Entscheidungen.
Bei Action und Abenteuer bin ich aber überhaupt kein Vieldenker.

Einfach drauf los und das Leben genießen?

Ja, meist schon und dabei gehen schnell mal wichtige Dinge wie Schule unter – beziehungsweise ignoriere ich sie.

Diese Phasen haben wir, glaube ich, alle einmal durchlebt. Was ist denn dein Plan für nach der Schule?

Da stehe ich genau jetzt. Ich würde gern Soziale Arbeit studieren, dafür wurde ich dieses Jahr aber noch nicht angenommen. Also schiebe ich ein FSJ ein und werde in dieser Zeit in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeiten. Dort gibt es hoffentlich auch neue Ideen und Ansichten, die in meinen Texten Einfluss finden.

Das kann ich mir bei dir auch richtig gut vorstellen. Glaubst du, dass das berufliche Umfeld die Kreativität und die Richtung, in die sie fließt, sehr beeinflusst?

Ja, das denke ich. Zumindest habe ich es bei mir selbst so erlebt. Wir sind ja auch die meiste Zeit des Tages mit arbeiten beschäftigt und auf der Arbeit. Da entstehen doch fast automatisch Dinge, die uns und unsere Texte beeinflussen. Auch, weil uns manche Berufe mit Gedanken und Gefühlen Konfrontieren, die wir so gar nicht gehabt hätten.

Das sehe ich auch so. Gerade die Themen, die einem vermeintlich öde vorkommen, werfen manchmal riesige Fragen auf, die man dann erst einmal zerdenken muss. Wie war das für dich, deine Texte abzugeben und andere Leute darüber urteilen zu lassen?

Andere urteilen zu lassen war nicht so schwer, weil ich sie für mich schreibe und wenn sie andere begeistern, sie erfreuen, ist das sehr schön. Wenn andere sie schlecht finden kann es mir egal sein, die Kritik nehme ich gerne an, aber es zieht mich nicht runter. Dass sie veröffentlicht werden hat mich dafür erst mal ziemlich in Panik versetzt.

Das ist spannend, dass du das so locker siehst und Kritik gerne annimmst. Ich glaube, wir sind alle sehr aufgeregt, dass dieses Projekt endlich veröffentlicht wird und leiden mit dir. Aber ich bin überzeugt, dass es gar nicht so viel Grund dazu gibt, sich zu sorgen. Auf jeden Fall hätte ich dich gerne wieder dabei, falls wir noch einmal so ein Projekt starten!

Ich bin auch gerne wieder in der Runde, es war sehr lustig und gab mir persönlich viel Antrieb beim Arbeiten und Schreiben. Auch das Arbeiten mit einen Lektor war für mich ja etwas ganz Neues.

So muss es sein! Der Antrieb ist das, was ich mir für uns alle erhofft habe. Dann warten wir jetzt mal die Veröffentlichung ab und schauen in ein paar Monaten, ob wir alle noch motiviert sind, eine zweite Anthologie zu einem neuen Thema zu starten. Für deine Zeit und dieses Interview bedanke ich mich herzlich bei dir, lieber Johny!


Bitte, ich bedanke mich dafür, mitmachen zu dürfen und freue mich, bald endlich die Geschichten der anderen lesen zu können.

Johny Doluptas
Bild: Johny Doluptas