Donnerstag, 30. November 2017

Sechs Jahre und zwölf Monate Dunkelheit // Eine Hassliebe

Sechs Jahre und zwölf Monate Dunkelheit, nur ein Glimmen hier und dort.

Jetzt.
Oder jetzt.
Vielleicht auch erst morgen oder nie.
Ich warte auf Erklärungen.

2010//2017
Film ab, Drama von vorne. Stopp, zurückspulen, lauter, leiser, Zeitlupe. Wer bist du? Ich vergesse deine Stimme, deinen Geruch, deine Berührungen. Die Zeit hat meine Worte aus deinen Haaren geweht, in die ich sie hineingeflüstert habe. Nur dein weiches Gold und das verspielte Schokoladenbraun blitzen hier und da noch durch meine Synapsen.

2012
Du bist frei! Ich lasse dich gehen, rief ich gegen den Sturm. Los! Lauf! Ich will nicht mehr träumen, was dir passieren wird und zusehen, wie es geschieht! Der Himmel klarte langsam auf, deine Melodie erklang in der Ferne wie ein Schlaflied, beruhigend und warm, bis es verstummte.

2016
Es folgten Schakale, Adler und Wiesel, doch kein Fuchs zeigte sich mir mehr. Mein Blick wurde müde. Jahre später nun, flüsterten die Halme von schwarzen Wolken am Horizont. In einem unerwarteten Moment tauschte ich Gold gegen Kohle und Schokolade gegen Jade, Haare und Augen, den vergessenen Geruch gegen einen noch unbekannten, die Stimme gegen Wellen aus samtenen Mooskristallen. Es war ein Trick. Ein neuer, verspielter und gefährlich scheuer Fuchs lockte mich in den Wald; unfreiwillig folgte ich seiner Fährte, nicht seinem Rufen, denn er rief mich nicht, er sah mich nur an und ich verstand. Mondlicht. Ich war in Trance, was sollte ich tun?

2017/1
Orientierungslos träumte ich wieder ein Leben, Kreuzungen, Momente und einen Herzschlag, der zwischen den Häuserschluchten für je eine Sekunde tatsächlich real wurde. Verpassen und treffen wechselten sich ab, eine hässliche Hetzjagd in mir begann. Ich hörte die Farben einer fremden Seele auf die Leinwand tropfen und zerriss in Panik das Bild, wollte nicht der Beobachter sein, rannte aus der Galerie. 

Vergeblich.

2017/2
Zwei Fuchsgesichter tollen nun in meinem sterbenden Laub, holen mich immer wieder ein, wenn ich sie auch mit den Steinen in meinem Herzen bewerfe, als ich davonlaufe. Flüchte ich wach, stolpere ich schlafend. Verweigere ich dir mein Ohr, sprichst du mit denen in meinem Umfeld, raubst ihnen ebenso den Schlaf. Fuchs, wer bist du, dass ich dich in vielerlei Facetten sehen, aber niemals länger als nur für dein Zwinkern berühren kann? 

Geist, ich will dich nicht mehr fühlen können, denn nur ich sorge mich um dich, niemals du dich um mich. Wozu sehe ich durch dieses Fenster, wenn es doch verschlossen bleibt? Ich will keine Bilder mehr in meinem Kopf öffnen, keine hilflosen Briefe mehr schreiben und keine Sehnsucht mehr in den Wind malen müssen, dass du mich endlich erhörst oder weiterziehst.

Fuchsgeist, der du Menschen beseelst, ich weiß, du bist feige, toll und blind, aber ich kann nicht anders, als dich zu lieben. Ich bin der Herbst, sterbe doch jedes Mal erneut für dich. Lehn dich doch eine Weile an mich und schweige, wenn du dich schon nicht traust, deine Geheimnisse zu erzählen. Frühling ist morgen noch immer und ich regne bunt auf uns hernieder.




Körperlose Erinnerungen an Orte der Berührung



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